Beate Monika Imschweiler — meine Vorstellungsrede zur Bürgermeisterwahl in Schönaich

Liebe Bürger*innen von Schönaich,
Sehr geehrte Anwesende,

Mein Name ist Beate Monika Imschweiler.

Mein Ehemann ist Arzt und wir haben zwei Kinder.
Als studierte Soziologin und Politikwissenschaftlerin interessieren mich gesellschaftlich relevante Themen.
Durch meine Herkunftsfamilie bin ich auch mit unternehmerischen Belangen vertraut.
Zur Zeit beschäftige ich mit aktuellen politischen und sozialen Themen als selbständige Beraterin.

Ich bin gebürtige Stuttgarterin, habe einige Zeit im Rems-Murr-Kreis gelebt und die vergangenen 10 Jahre in Frankreich.
Insofern bin ich einerseits Einheimische, aber durch meinen Auslandsaufenthalt auch mit anderen Sichtweisen vertraut.

Warum möchte ich jetzt Bürgermeisterin in Schönaich werden?
Nun, ich möchte meine Rückkehr in die Region Stuttgart mit einem politischen Engagement verbinden. Das finde ich eine spannende Aufgabe.

Einige haben schon die Frage an mich gestellt: „Wie können Sie denn mit mangelnder Erfahrung in Verwaltung und kommunaler Politik das Amt der Bürgermeisterin überhaupt bewältigen?“
Das ist in meinen Augen vor allem ein strategisches Argument, mit dem sich sinngemäß im Moment sogar Armin Laschet befassen muss, wenn ihm als Kanzlerkandidat mangelnde Erfahrung vorgehalten wird.

Ich werde mich in die notwendigen Belange schnell einarbeiten – keine Frage.
Doch ich gehe davon aus, dass genug Verwaltungskompetenz im Rathaus vorhanden ist, so dass ich mich auf die Gestaltungsseite konzentrieren kann.

Übrigens dreht sich die im Juni anstehende Tagung des Bundes Deutscher Soziolog*innen, bei dem ich Mitglied bin, um die Innovationen in Organisationen, ein Schwerpunkt dabei sind Innovationen in der öffentlichen Verwaltung.

Ich trete als parteilose Kandidatin an.
Ob nun unabhängig oder einer Partei verbunden, stehen wir aber alle vor der Herausforderung, uns mit dramatischen Veränderungen unserer Welt auseinanderzusetzen und Antworten zu finden.

Ich möchte das an zwei Beispielen erläutern:

Erstes Beispiel ist der Klimawandel.
Bis vor wenigen Jahren wurde der menschengemachte Klimawandel noch von vielen in Frage gestellt. Doch das Leugnen funktioniert nicht mehr.
Jeder sieht, dass die Erderwärmung stattfindet.
Es erscheint mir wichtig, auf dieses Problem weder alarmistisch noch mit Verleugnung zu reagieren. Vielmehr ist es wichtig, die Dringlichkeit eines Wandels zu fühlen, ohne durch Panikmache die Handlungsfähigkeit zu verlieren.

Der Klimawandel ist nicht allein von individuellen Lifestyleentscheidungen abhängig, vielmehr braucht es gesetzliche Reformen, also einen Wandel der Rahmenbedingungen.

Ich bin ein großer Fan der jungen Klimabewegung und finde es toll, wie junge Menschen sich aktiv für Veränderung einsetzen.

Dieses Engagement der Jungen ist umso wichtiger, als es nach wie vor genügend Akteure gibt, deren Ziel es ist, dass möglichst alles so bleibt wie es ist. Diese versuchen, das Lager der kritischen Menschen zu spalten, indem sie z.B. auf Nebenschauplätze ablenken, auf denen sich Menschen dann darüber streiten, wohin der Nachbar in den Urlaub fliegt – oder nicht.
Es geht aber nicht darum, mit dem Zeigefinger auf den Nachbarn zu zeigen, sondern sich für große politische Veränderungen einzusetzen.

Auch eine Gemeinde kann etwas dazu beitragen, Klimaziele zu erreichen, z.B. hat das Unternehmen Faulhaber ja dazu auch schon einen Beitrag geleistet.

Als zweite große Herausforderung möchte ich die soziale Frage nennen. Mein Kollege, der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge, kommentiert den aktuellen Bericht der Bundesregierung zu Armut und Reichtum in Deutschland. Er spricht davon, dass sich die Armut in die Mitte der Gesellschaft „hineinfresse“.

Er sagt: „Die Armut frisst sich in die Mitte der Gesellschaft hinein.“

Verstärkt wird diese Entwicklung durch die aktuelle Pandemie und deren Folgen.

Arbeitslose, Kurzarbeiter, Soloselbständige, Kleinunternehmer und viele andere sind an den Rand ihres Ruins geraten.

Eigentlich soll die von CDU und SPD gebildete Bundesregierung auftragsgemäß in ihren Berichten die Ursachen von Armut und Reichtum darlegen. Butterwegge sagt, das tue sie aber nicht – auch nicht im aktuellen 6. Bericht!

Für die Bundesregierung sei jemand mit einem Nettogehalt von 3.900 € „einkommensreich“ und befindet sich damit in der gleichen Kategorie wie ein Mitbürger, der über ein Privatvermögen von knapp 42 Mrd. € verfügt und durch die Corona-Krise ca. 14 Mrd. dazugewonnen hat. Ist das nicht grotesk?

Wie bei der Klimakrise geht es auch bei der sozialen Frage darum, Probleme nicht zu verleugnen. Es hilft auch nichts, vom eigentlichen Problem abzulenken, indem man den Kritikern dieser Verhältnisse eine Neiddebatte unterstellt.

Ich komme nun zur kommunalen Politik:

Ich sehe kommunale Politik in der Pflicht, das ihrige dazu beizutragen, dass es genügend bezahlbaren Wohnraum gibt.
Darüber hinaus finde ich auch Modelle für experimentelles Bauen interessant. Hier werden neue Naturbaustoffe und -verfahren umgesetzt.

Der demographische Wandel in einer Gemeinde wird begleitet von den Themen der Schulentwicklung, des bürgerschaftlichen Engagements, der Wirtschaftsförderung, der Stadtplanung, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie des altersgerechten Wohnens.
Es stellen sich konkrete Fragen danach, ob und wie das Zusammenleben der Menschen gelingt.

Dazu möchte ich mit meinem Führungsstil beitragen, den ich kurz skizzieren möchte:

In der Vergangenheit hat es in der Gemeinde offenbar ein Zerwürfnis gegeben zwischen Bürgermeister einerseits und Gemeinderat bzw. Verwaltung andererseits, das auch durch den Landrat nicht geschlichtet werden konnte. Nach diesen Zerwürfnissen in der Vergangenheit sehe ich es als wichtig an, wieder zu Vertrauen und zu einer konstruktiven und anerkennenden Zusammenarbeit zu kommen.

Dafür möchte ich entschieden einstehen.

Als Bürgermeisterin werde ich darüber hinaus eine regelmäßige Bürgersprechstunde einrichten. Ich möchte erreichbar sein.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang noch auf einen Punkt kommen, der in unserem alltäglichen Leben ebenfalls eine große Bedeutung hat:
Ich spreche vom Ausbau der kulturellen, sozialen und sportlichen Angebote. Natürlich müssen wir uns mit den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde auseinandersetzen – Schönaich ist ja nicht unbedingt Schönreich!
Doch selbstverständlich wollen wir das Ziel ins Auge fassen, das Vereinsleben auszubauen und für unsere Lebensqualität und unseren Spaß zu sorgen.

Ich habe über einige mir wichtig erscheinende Themen gesprochen, z.B.:
Klimawandel, soziale Frage, Stadtentwicklung, ein neuer Führungsstil.

Sie wissen nun, warum Sie mich wählen sollen!

Stuttgarts berühmter Oberbürgermeister Dr. Manfred Rommel hat es für sich einmal so gesagt:
„Schauen Sie sich die Kandidaten gut an, und wenn Ihnen keiner so recht gefällt, dann wählen Sie mich!“

Ich möchte noch ergänzen:
Ich werde mein Bestes geben.